Aktuell: Ausbruch der Grímsvötn (Mai 2011)

 

Am Samstag, dem 21. Mai 2011 begann gegen 17:30 Uhr der Ausbruch der Grímsvötn, des aktivsten isländischen Vulkans, der unter dem Eismassiv des Vatnajökull gelegen ist.

Ich befinde mich derzeit im Hotel Geirland nahe Kirkjubæjarklaustur und helfe hier aus, bis die Reiseleitersaison beginnt. Wir sind ca. 75 km von Skaftafell, dem "Tor" zum Nationalpark Vatnajökull, entfernt und ca. 100 km vom Vulkan. Am Samstagabend hatte ich ab 21 Uhr Gelegenheit, Richtung Osten und damit Richtung Vulkan aufzubrechen, konnte jedoch nur noch wenige Aufnahmen von der Eruptionswolke machen, denn schon bald war alles in Asche eingehüllt. Die Polizei stoppte unsere Fahrt am Berg Lómagnúpur - die Straße über den Skeiðarásandur war gesperrt worden. Hier die ersten Aufnahmen - zum Vergrößern einfach aufs Bild klicken:

Grímsvötn-Ausbruch
21 Uhr Blick von Kirkjubæjarklaustur aus.
Grímsvötn-Ausbruch
Das obere Ende der Eruptionswolke.
Grímsvötn-Ausbruch
21:12 Uhr Die Aschewolke ist bereits zu sehen.
Grímsvötn-Ausbruch
21:20 Uhr Wir fahren mitten in die Wolke.
Grímsvötn-Ausbruch
Im Hintergrund: der Lómagnúpur.
Grímsvötn-Ausbruch
21:28 Uhr Man erkennt deutlich den Aschefall.
Grímsvötn-Ausbruch
Straßensperre am Lómagnúpur.
Grímsvötn-Ausbruch
21:42 Uhr Wir stehen inmitten der Aschewolke.
Grímsvötn-Ausbruch
22:05 Uhr Ein letzter Blick von Klaustur aus.
Grímsvötn-Ausbruch

Am Sonntagmorgen (22. Mai 2011) begann der Tag in tiefster Dunkelheit. Eigentlich ist es in Island momentan rund um die Uhr hell. Aber an diesem Morgen sah man nichts - teilweise die Hand vor den Augen nicht. Dunkle Asche versperrte jede Sicht. Fotos von draußen gibt es nicht, da die Sicht keine Fotos zuließ. Sobald wir nach draußen gehen, müssen wir Schutzmaske und -brille tragen. Die Asche geht ansonsten direkt in Augen und Mund.

Da an diesem Tag kaum Winde geht, ist es einigermaßen erträglich und die Asche im Haus hält sich in Grenzen.

Gegen 14 Uhr klart es urplötzlich auf und Licht dringt zu uns durch. Wir können endlich wieder etwas sehen und die ersten Fotos machen:

Grímsvötn-Ausbruch Grímsvötn-Ausbruch Grímsvötn-Ausbruch
Grímsvötn-Ausbruch

Es fällt zwar nach wie vor Asche vom Himmel, aber sie verdeckt die Sonne nicht mehr komplett. Dennoch ist die Sicht weiter bescheiden. Die Ascheschicht auf der Erde beträgt ca. 1 cm.

Am frühen Abend wird die Straßensperre Richtung Vík, also Richtung Westen aufgehoben und ich breche mit meinen Kollegen zu einer kleinen "Spritztour" auf, um zu sehen, wie es in unserer Umgebung aussieht.

Grímsvötn-Ausbruch
Grímsvötn-Ausbruch
Zunächst einmal muss das Auto grob von Asche befreit werden. In Verbindung mit leichten Niesel sorgte die Asche später für verschmierte Scheiben mit miserabler Sicht.
Grímsvötn-Ausbruch Grímsvötn-Ausbruch
Wir schauen uns im Lavafeld aus der Laki-Eruption 1783 westlich von Kirkjubæjarklaustur um. Alles ist graubraun, das Moos ist kaum wiederzuerkennen.
Grímsvötn-Ausbruch
Blick auf das Lavafeld in Richtung Kirkjubæjarklaustur.
Grímsvötn-Ausbruch
Wir sind in Richtung Osten unterwegs; Autos verursachen eine enorme Staubwolke.
Grímsvötn-Ausbruch
Die Straße sieht alle paar km anders aus, mit mal mehr und mal weniger Asche.
Grímsvötn-Ausbruch
Auf dem Skeiðarásandur, kurz vor Skaftafell ist die Sicht wesentlich besser.
Grímsvötn-Ausbruch
Wir fahren zur Gletscherzunge Svínafellsjökull und bestaunen das schwarze Eis.
Grímsvötn-Ausbruch
Auf der Rückfahrt sind wir dann in ganz schwere Aschestürme geraten.

Der 23. Mai begann wie der Tag zuvor mit völliger Finsternis. Zusätzlich setzte ab 10 Uhr heftiger Sturm ein, der einen Aufenthalt draußen unmöglich machte und macht. Die Asche wird einem förmlich um die Ohren gehauen und sie dringt in den Häusern in alle Ritzen.

Nur mäßig gelingt es uns, die Fenster abzudichten. Ein Reinigen der Räume ist fast aussichtslos, muss aber dennoch von Zeit zu Zeit getan werden, da man der Asche sonst nie Herr wird.

Den Hof können wir am Vormittag nicht verlassen, da die Sicht so dermaßen schlecht ist, dass man nicht einmal die Straße in den nächsten Ort findet.

Wundersamer Weise klart es gegen 14 Uhr wieder etwas auf und wir können draußen zumindest etwas sehen. Der Sturm jedoch hält unvermindert an, scheint bisweilen an Stärke zuzunehmen.

Am Abend hat der Sturm so enorm an Stärke zugenommen, dass fast die gesamte Asche vom Hof gefegt wurde. Sie hält sich nun überwiegend im Gras. Die nachfolgenden Fotos entstanden gegen 19 Uhr:

Grímsvötn-Ausbruch Grímsvötn-Ausbruch

Der 24. Mai ist der erste Morgen ohne Dunkelheit. Der Sturm hält unvermindert an, aber wir haben Licht. Den Nachrichten ist zu entnehmen, dass die Aschewolke, deren Höhe anfangs fast 20 km betragen hatte, auf 3 km abgesunken ist. Auch von den anfänglich 10.000 t Asche pro Sekunde (!), die in die Luft geschleudert wurden, sind "nur" noch 100 t pro Sekunde verblieben. Das heißt für uns: Entspannung ist in Sicht!

Am Abend des 24. Mai sieht es gegen 21:45 Uhr so aus:

Grímsvötn-Ausbruch

25. Mai: Es ist vorbei! Zumindest sagen sie das in den Nachrichten. Der Ausbruch an sich ist wohl noch nicht ganz vorbei, aber die Auswirkungen sind auf ein kleines Gebiet um den Krater begrenzt.

Mit dem Morgen des 25. Mai kommt auch der Regen, den alle in den letzten Tagen herbeigesehnt haben und der nun die Asche am Boden hält. In der Region um Kirkjubæjarklaustur wird direkt mit den Reinungsarbeiten begonnen - Straßen und Häuser werden gereinigt. Wir im Hotel fangen mit den Zimmern an. Am Nachmittag bekommen wir erste Hilfe.

Auf dem mittleren Foto die in den letzten Tagen wohl meistfotografierte Tankstelle der Welt ;-) - jetzt wieder sauber!Auf dem rechten Foto eines der staubdichten Fahrzeuge der Landsbjörg, das hier im Einsatz ist.

Grímsvötn-Ausbruch Grímsvötn-Ausbruch Grímsvötn-Ausbruch

Auch der 26. Mai - Tag 1 nach "Ende" des Ausbruchs - steht ganz im Zeichen einer riesigen Putzaktion. Neben den Grundstücken, Häusern und Innenräumen müssen auch die Autos dringen von der Asche befreit werden.

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Grímsvötn-Ausbruch
Am 27. Mai kommt die Feuerwehr ...
Grímsvötn-Ausbruch
und befreit unsere Häuser von der Asche.
Grímsvötn-Ausbruch

Von Reykjavík aus werden uns sechs freiwillige Helfer geschickt, die uns helfen, die Außenhütten zu reinigen, die auf Grund ihres Alters besonders undicht und aschedurchlässig sind. Mit vereinten Kräften schaffen wir es :-).

Grímsvötn-Ausbruch Grímsvötn-Ausbruch

Das Leben nach dem Ausbruch

Einige Tage sind wir nur damit beschäftigt, alles von Asche zu befreien und wieder bewohn- und benutzbar zu machen. Einige sehr lange Tage. Zwischendurch habe ich Gelegenheit, mir die Gegend östlich von Klaustur genauer anzusehen. Besonders interessiert es mich, wie es in Skaftafell und am Jökulsárlón aussieht, zwei DER Ziele hier in der Gegend. Und ich werde positiv überrascht!

Fotos vom Samstagmorgen (28. Mai)- Nachdem es drei Tage durchgehend geregnet hat, scheint die Sonne und auf dem Hotelgelände sieht es aus, als wäre nichts geschehen - wenn man von der ganzen Asche im Gras absieht.

Grímsvötn-Ausbruch Grímsvötn-Ausbruch
Grímsvötn-Ausbruch

Ca. 20 km östlich von Klaustur befindet sich noch relativ viel Asche in den Straßengräben und auf den Lavafeldern. Aber mit jedem Kilometer weiter östlich nimmt es ab. Die Straßen sind alle gereinigt worden.

Grímsvötn-Ausbruch

Entlang des Skeiðarásandur sieht es schon wieder richtig freundlich aus. Auf der Sanderebene liegt nur wenig Asche - das meiste wurde vermutlich auch hier vom Sturm davongeblasen. Zudem fiel in der Nacht auf Samstag Neuschnee.

Grímsvötn-Ausbruch Grímsvötn-Ausbruch

An den Gletscherlagunen Fjallsárlón und Jökulsárlón sieht es trotz des schwarzen Eises schon wieder interessant aus.

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In Skaftafell ist es kein Problem zu zelten. Die Skaftafellsheiði ist nur mit einer dünnen Ascheschicht bedeckt, die man kaum bemerkt. Und auch bei einer Wanderung im Morsárdalur zum Morsárjökull gibt es so gut wie keine Beeinträchtigungen. Man könnte fast meinen, es sei nichts passiert ... wären da nicht die schwarzen Gletscherzungen.

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Die Gegend lädt wieder zum Reisen ein :-). Der Ausbruch wird am Morgen des 30. Mai für beendet erklärt.

 

Hier ein kurzer Film "15 Jahre isländische Erdbeben und Vulkanausbrüche in 4 Minuten:

15 Years of Icelandic Earthquakes and Eruptions in 4 Minutes from hjalli on Vimeo.