Karneval

Der Norden Deutschlands ist nicht unbedingt dafür bekannt, eine Karnevalshochburg zu sein - dennoch gibt es auch hier vereinzelte Regionen, in denen Narren sich austoben. Ich wurde in einer dieser Regionen geboren und angesichts eines Vereins direkt im Ort und einer karnevalsaktiven Familie war es nur eine Frage der Zeit, bis auch ich auf der Bühne stand.

Meinen ersten Auftritt hatte ich mit 10 Jahren beim Kinderkarneval und sang mein Lied vom Tausendfüßler vor lauter Lampenfieber so tief, dass es einfach nur grausig war. Das hielt mich aber nicht davon ab, es auch in den Folgejahren immer wieder gesanglich zu probieren und das große Ziel zu verfolgen, im Abendprogramm mitwirken zu können. Und so wurde ich dann mit 14 Mitglied der Singegruppe und lernte all die Karnevalsschlager, die man so kennt. Stimmprobleme führten jedoch dazu, dass ich das Singen nach vier Sessionen komplett aufgeben musste.

Singegruppe Singegruppe Singegruppe

 

Monique in der Bütt

Zu dem Zeitpunkt war mein Platz aber eh bereits ein anderer. Schon beim Kinderkarneval hatte man entdeckt, dass ich vielleicht doch eher zum Reden als zum Singen tauge und mich nach einigen Einsätzen als Märchenerzähler und in der Kinderbütt dazu verdonnert, als Büttenrednerin im Abendprogramm mitzuwirken. Dieser erste "Zwangseinsatz" kam so kurzfristig, dass zeitlich nichts anderes möglich war, als eine Männerbütt aus dem Fernsehen abzuschreiben - Rolf Brauns "Diäten" - und das mit 16 Jahren.

Monique in der Bütt

Ein Jahr später blieb etwas mehr Zeit für die Vorbereitung und mit Unterstützung unseres damaligen Präsidenten schrieb ich meine erste Bütt: Klofrau Hilde, die Holde.

In die Bütt zu gehen, das funktioniert bei mir nur mit Verkleidung - nur dann bin ich in der anderen Rolle. Und da lässt es sich in alle Richtungen austoben. Je schlimmer, um so besser. Wir haben immer wieder mit Schaumstoff gearbeitet, mit Perücken und falschen Zähnen. Und das ist das schöne am Karneval: Man kann sich so richtig schön hässlich machen.

Monique in der Bütt Monique in der Bütt Gruppenfoto Büttenredner

 

Monique in der Bütt

Irgendwann war es mir oben in der Bütt, also im Fass, zu langweilig - man ist so weit weg vom Publikum. Mit der ersten Gertrud-Bütt beschloss ich daher, mich in den Saal zu stellen.

In den Jahren 2000-2002 pausierte ich das erste Mal. Studium und Arbeit forderten ihren Tribut und außerdem war es alles andere als einfach, immer wieder Themen für Frauenbütten zu finden - die Männer haben es da etwas einfacher. Und halbwegs gescheit sein sollte es dann ja auch noch. Denn wenn die Bütt nicht gut ist, dann lässt einen das Publikum gnadenlos hängen.

 

Kinderkarneval Rosenmontag Monique in der Bütt

Gertrud ging quasi in Serie, als ich 2003 zurückkehrte - aus dieser Figur ließ sich mehr als nur eine Bütt machen. Mit Gertrud III war dann 2006 aber erneut Schluss. Ich zog mich für einige Jahre aus der Bütt zurück, blieb dem KCK aber zumindest für die Programmfotos erhalten.

Monique in der Bütt Monique in der Bütt Monique in der Bütt

2011, 2014 und 2015 folgten drei weitere, meine letzten Bütten. Zwischendurch war ich beruflich immer wieder im Ausland. Der Karneval oder speziell die Bütt fehlte mir aber nicht - der Spaß war irgendwie verloren gegangen. In den letzten Jahren war es immer schwieriger geworden - das Publikum hatte sich geändert. Es schien, als wollte kaum noch jemand eine Bütt hören. Die große Comedy-Schwemme im TV hatte sicher auch ihren Anteil daran. Das Problem besteht weiter und zeigt sich auch darin, dass sich kein "Nachwuchs" findet. Niemand will freiwillig in die Bütt bzw. traut sich zu, eine zu schreiben. Schade eigentlich, denn die Bütt gehört zum Karneval dazu.

Monique in der Bütt Monique in der Bütt Monique in der Bütt

 

Einige Informationen zum KCK (Karneval Club Karstädt), vor allem die Veranstaltungstermine gibt es auf diesen Seiten oder auf Facebook. Der Verein betreibt seit einigen Jahren auch einen Kostümverleih, der u. a. eine Vielzahl der Kostüme aus den Programmen der vergangenen Jahre umfasst.